Überschwemmung in Eilendorf am 6. Juni 1961  

 Bild: Urheber unbekannt

Vor 54 Jahren, am 6. Juni 1961 gab es in Aachen Eilendorf ein kurzes aber  heftiges Unwetter.  

Ein 12 jähriger Junge, Fred Fröhlings, kam hierbei ums Leben.

Vor einigen Wochen bekam ich eine Nachricht von der Nichte des damals verunglückten Jungen. Sie berichtete zuvor ihrem Vater von dieser Bildergalerie     der Überschwemmung, dieser suchte bereits über 50 Jahre nach Bildern und Erinnerungen an diesen schicksalsreichen Tag.

Nach einem kurzen Telefonat verabredeten wir einen Termin.

Eine Reise in die Vergangenheit begann.                               Mit gemischten Gefühlen fuhr ich zu dem Termin.                 Ich wollte kein verborgenes Leid ausgraben und doch war ich sehr an der Geschichte interessiert.

Herr Herbert Kehren Empfang mich mit offenen Armen, ich war sehr erleichtert. Im Garten sprachen wir dann über längst vergangene Zeiten. Ich hatte das Gefühl als ob es gestern war, so klar waren seine Erinnerungen.                  Herbert Kehren hier rechts im Bild. 

Herr Kehren ist aus erster Ehe seiner Mutter, sein Vater war im Krieg gefallen.

Später heiratete seine Mutter Johann Fröhlings, sie bekamen zusammen einen Sohn, Fred Fröhlings. Herbert Kehren war zu diesem Zeitpunkt 4 Jahre alt.

Sie wuchsen zusammen auf und hatten eine schöne Kindheit,                                 bis zum 6. Juni 1961.

Hier die Halbgeschwister Herbert Kehren (links) und Fred Fröhlings.

 

 

An dem Tag des Unglücks fuhr Herr Kehren in der Mittagszeit mit dem Bus zur Schule nach Stolberg. Sein Halbbruder Fred ging mit dem Geschwisterpaar Salber Richtung Eilendorf Markt Richtung Kirmesplatz.  

Gegen 13 Uhr begann es heftig zu regnen,          Herr Kehren beschreibt heute das es etwa 45 Minuten wolkenbruchartig wie aus Kübeln regnete.

 

Schnell waren die Strassen überflutet und reißende Gewässer flossen überall. Wohnungen, Keller und Geschäfte waren rasch überflutet. Der kleine Haarbach konnte die gewaltigen Wassermassen nicht auffangen.  

Zum Teil stand das Wasser zwei Meter hoch.

 

Es war Kirmes Dienstag, überall schwammen die Buden im Wasser, alles war durcheinander. Die beiden Kinder Salber und Fred Fröhlings wollten sich vor den Fluten in Sicherheit bringen und kletterten auf einen Baum in einem Hinterhof der von Coelsstrasse 256. 

Die Geschwister Salber konnten sich auf dem Baum festhalten, der Ast auf dem Fred Fröhlings (12) saß brach ab und er stürzte in die Fluten.  

 

Gegen 14.30 Uhr bekam Herr Kehren einen Anruf in der Schule. Er solle sofort nach Hause kommen, etwas schreckliches sei geschehen.

Nach seiner Rückkehr sah er die Überschwemmungen in seinem Heimatort.   Seine Familie, Freunde und die Feuerwehr suchten zu diesem Zeitpunkt den vermissten Fred Fröhlings.

Unten am Markt wurde er von mehreren Personen noch lebend gesehen und Bauer Müllejans versuchte Fred noch festzuhalten, leider vergeblich. Der Junge wurde wieder abgespült. Die Feuerwehr hatte inzwischen an verschiedenen Stellen Netze am Wasser gespannt um den Jungen zu retten, zu dem Zeitpunkt hatte man die Hoffnung ihn noch lebend zu finden.

Überall schwammen gegenstände im Wasser herum. Unten am Bach der Kohlenhandlung Schneiders sammelten sich viele Dinge an, teils auch Ware von dem etwas höher gelegenen Schreibwarengeschäft Kaußen.  

Nach Stunden fand man Fred Fröhlings tot im Wasser an einer Biegung des Haarbaches, unten an der Birkstrasse.

Seine gesamte Kleidung wurde durch die starke Strömung vom Körper gerissen worden und er wies starke äußerliche Verletzungen auf.

Er starb an einem Schädelbasisbruch, nicht durch ertrinken.

Für die Familie und alle Betroffenen war dies eineschreckliche Entdeckung.

Herbert Kehren berichtete mir, dass seine Mutter und sein Stiefvater, Johann Fröhlings, unmittelbar nach dem Unglück von der Polizei in Haft genommen werden sollten. Schnell erkannte man jedoch das es sich hierbeium ein tragisches Unglück handelte und ließen von dieser Maßnahme ab.

Am nächsten Morgen hatte Johann Fröhlings vor Kummer und Schock völlig weißes Haar bekommen, einen Tag zuvor hatte er noch dunkles Haar. Der Schock saß sehr tief, seine Mutter ging monatelang bis zu 3 Mal zum Friedhof an der Nirmer Strasse.

Herbert Kehren, rechts im Bild, begleitet diese schreckliche Geschichte sein gesamtes Leben und wird seinen Bruder niemals vergessen.  

Fred Fröhlings wäre heute 66 Jahre alt.

Ich möchte mich herzlichst bei Herbert Kehren und seiner Tochter Birgit Stegemann-Totzek  bedanken das sie uns alle an ihrer Geschichte teilhaben ließen. Dankeschön! 

Eilendorf, 11.6.2015

vorne links im Bild Fred Fröhlings mit der Großmutter, dahinter Herbert Kehren